In 45 Minuten vom alten ins neue «Limmi»

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Der Umzug in den Neubau des Spitals Limmattal erfordert logistisches Geschick. Pflegende, Zügelhelfer und Hotellerieangestellte, alle waren sie damit beschäftigt, die Patienten und das medizinische Material ins neue Spital zu bringen. Dazu brauchten sie kaum eine Stunde.

Text: Lydia Lippuner, Foto: Claudio Thoma, Sandra Adrizzone (AZ)

Krankenhäuser gleichen selten Ruheoasen. Doch das Spital Limmattal wurde in den letzten Tagen zu einem emsigen Bienenstock. Verschiedene Leute schieben Kästen, Betten und Rollstühle durch die langen weissen Gänge. Grund für die zusätzliche Hektik ist der Umzug vom alten ins neue «Limmi». Ein Grossteil des Mobiliars wird dabei übernommen.
Am Donnerstagmorgen isst das Personal der medizinischen Abteilung noch ein letztes Mal gemeinsam Frühstück im alten Stationszimmer. Die Stimmung im elften Stock ist fröhlich. An der grünen Wand stehen Sprüche wie: «Bestes Team» und «Wir rocken den Neubau». So verewigten sich die Angestellten mit Filzstift im Altbau. In den Patientenzimmern geht es ebenfalls rund zu und her. Hedwig Ott macht sich frisch und wartet auf ihrem Spitalbett auf die «Züglete». «Mir gefällt es hier, das Personal ist sehr nett», sagt sie. Jetzt sei sie aber auch gespannt auf den Umzug in den Neubau.

Ein strukturiertes Chaos

Das neue «Limmi», das am 15. September eröffnet wurde, beinhaltet unter anderem 200 Betten, ein Café und acht Operationssäle. Dazu werden nun unzählige Maschinen, Rollatoren und Betten in den Neubau befördert. Das Ganze grenzt an ein logistisches Kunstwerk. Ebendeshalb sind auch die Zügelhelfer in Aktion. Angeleitet werden sie im Falle der medizinischen Station von Franziska Voegelin. Sie ist Stationsleiterin von zwei Stationen mit insgesamt 47 Betten. Nach dem Mittagessen gibt sie ihrem Team Anweisungen, wer was zu tun hat. Danach geht sie in den fünften Stock des Neubaus und nimmt die Patienten in Empfang. «Gestern haben wir bereits eine Station gezügelt, es ist einfach ein strukturiertes Chaos», sagt Voegelin lachend. Bett für Bett hakt sie die Patienten von ihrer Liste ab.

 

Die stellvertretende Stationsleiterin Ulrike Unterweger bleibt im Altbau. «Es läuft gut, doch am Ende des Tages hat man einen wirklich vollen Kopf von all dem Gewusel», sagt sie und setzt sich auf die Bank. Ein Patient fährt im Bett vorbei, sie streicht ihn mit dem Kugelschreiber von der Liste. Der nächste Patient liegt bereits seit einigen Minuten in seinem Zimmer im Bett bereit, um in den Neubau gerollt zu werden. Über ihm hängt die Infusion, an der Seite sind seine Schuhe eingeklemmt. Um ihn herum sieht es aus, wie es in einer umzugsbereiten Wohnung aussieht. Die Schränke sind offen, Säcke mit Kleidern stehen da, Leute warten auf die Anweisungen. Der Patient im Bett war in einem Sechserzimmer, neu kommt er wie alle anderen in ein Zweierzimmer.

Nur noch Zweierzimmer

Die zuständige Pflegefachfrau Verena Wirnsberger schaut sich um und schmunzelt: «Das Gute an den Sechserzimmern war, dass man schnell den Überblick hatte und die Patienten gute Stimmung verbreiteten.» Der Patient im Bett hinter ihr lacht nur. Ulrike Unterweger gibt das Signal zum Losfahren. Die Menschen im Gang und in den Zimmern bewegen sich rasch. Die Pflegenden fahren das Bett in den Gang, Hotelleriefachleute packen die Wertsachen der Patienten ein und die Zügelhelfer rollen das etikettierte Nachttischchen raus. Ein weiterer Patient wird von der Liste gestrichen. Beim Lift drückt die Krankenschwester auf die Nummer -1. Im Keller herrscht reger Betrieb. Die Zügelmänner schieben im Eiltempo eingepackte Möbel, Nachttischchen und Kästen durch den langen weissen Korridor. Dieser verbindet den Altbau mit dem Neubau des «Limmi».

Alles im Grünen Bereich

Nach wenigen Sekunden ist der Lift frei und die Pflegenden schieben den Patienten hinein. Dieser fährt geräuschlos in den fünften Stock. «Ich merkte nicht einmal, wie wir hochfuhren», sagt der Patient erstaunt als sich die Türen öffnen. Im fünften Stockwerk angekommen wird der Patient von blau uniformierten Damen begrüsst und mit einem Biberli willkommengeheissen. In seinem blitzblanken Zimmer schliesst die Pflegefachfrau das Bett am Strom an. «Drücken Sie bitte mal hier den orangen Knopf», sagt Wirnsberger. Alles im grünen Bereich: Die Spitalglocke funktioniert einwandfrei. Im Gang ertönt das Signal. Kaum ist der Alarm erfolgreich getestet, werden Nachtttischchen sowie der Schrank ins Zimmer hineingefahren. Es sind nicht einmal 45 Minuten vergangen und schon ist der letzte der zwölf Patienten auf der medizinischen Station angerollt. «Super, meine Liste ist komplett», sagt Franziska Voegelin.
Die Patientin Hedwig Ott ist ebenfalls im neuen Zimmer angekommen. Sie hat wieder einen Fensterplatz erhalten. «Es ging alles reibungslos und war super organisiert. Doch das Zimmer hier ist noch seelenlos», sagt sie. Sie werde sich jedoch bald daran gewöhnen. «Trotzdem hoffe ich vor allem, dass ich sobald wie möglich nach Hause kann.»

Dieser Artikel wurde erstmals am 20. Oktober in der Limmattaler Zeitung veröffentlicht.

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