«Asiatische Länder bewunderten unsere Leistungen»

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Die Schweizer holten an der Berufs-WM in Abu Dhabi 20 Medaillen nach Hause – nur die Chinesen waren besser.

Es war ein historischer Abschluss in der Wüstenstadt Abu Dhabi. Das Schweizer Team konnte an der Berufsweltmeisterschaft vergangene Woche gleich 20 Medaillen abstauben, davon elf goldene. Dies, obwohl sich die Konkurrenz in den letzten Jahren erheblich verschärft hat. Im viertägigen Wettkampf traten die Schweizer gegen 1200 Berufsleute aus 58 verschiedenen Ländern an.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet redete mit der Delegationsleiterin Christine Davatz, welche die Jugendlichen während des Wettbewerbs begleitete.

Wie feierten Sie die elf Goldmedaillen der Berufsweltmeisterschaft?
In Abu Dhabi standen alle 1200 Kandidaten auf der Bühne. 51 Berufe wurden mit Medaillen ausgezeichnet. Sobald ein Schweizer das Podest betrat, johlten und schwenkten die mindestens 500 anwesenden Schweizer Fans ihre Fahnen. Nach dem Fototermin gingen die Jugendlichen mitsamt den Experten an die Abschlussparty auf dem Gelände. Ich schaute nur kurz vorbei, da es relativ laut zu und her ging. Die Jugendlichen, die nach den vier sehr anstrengenden Tagen noch Energie hatten, gaben nochmals richtig Gas.

Welche Bedeutung hat dieser historische Erfolg für die Schweiz?
Unser Sieg zeigte klar, dass sich die nahe Verbindung zwischen Wirtschaft und Bildung lohnt. Berufslehren haben sich absolut bewährt, auch in schwierigen Situationen. Das zeigte sich im Wettbewerb beispielsweise besonders, als bei den Gärtnern und den Bäckern das Material fehlte. Die Aufgaben wurden einige Male spontan abgeändert. So wie im realen Leben mussten sich die Jungen auf neue Situationen einstellen. Das ist die reale Arbeitswelt. Und hier zeigte sich klar die Stärke unserer Jugendlichen.

<blockquote class=“twitter-tweet“ data-lang=“en“><p lang=“de“ dir=“ltr“>Wir empfangen &amp; feiern die erfolgreiche <a href=“https://twitter.com/WorldSkills?ref_src=twsrc%5Etfw“>@WorldSkills</a> Delegation. Stolz auf unsere hervorragenden Schweizer Lernenden! JSA <a href=“https://twitter.com/hashtag/SwissSkills?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw“>#SwissSkills</a> <a href=“https://t.co/GyziAmTojP“>pic.twitter.com/GyziAmTojP</a></p>&mdash; J N Schneider-Ammann (@_BR_JSA) <a href=“https://twitter.com/_BR_JSA/status/921741205460930560?ref_src=twsrc%5Etfw“>October 21, 2017</a></blockquote>
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Was bringt es einem Schreiner, wenn er an der Berufsweltmeisterschaft in Abu Dhabi gewonnen hat?
Einerseits ist sein Sieg ein Ausdruck seines Könnens als Berufsmann und Schreiner. Andererseits sind die Erfahrungen einer solchen Meisterschaft eindrücklich. Die Teilnehmer lernen Berufskollegen aus aller Welt kennen. Bei den Schweizer Berufsleuten war es mein Ziel, aus den einzelnen wilden, starken Kämpfern ein Team zu machen. Das gelang in diesem Jahr sehr gut.

Fünf der elf Goldmedaillengewinner kommen aus dem Kanton Bern, ist das ein Zufall, oder gibt es dafür eine Erklärung?
Das ist wohl Zufall und kommt auf die Selektion der verantwortlichen Berufsverbände an. Wir haben eine weitere Häufung in der Ostschweiz.

Welche Reaktionen erhielten sie von den anderen Ländern?
Besonders asiatische Länder wie Korea, Singapur und Malaysia bewunderten unsere Leistungen. Das sind alles Länder, die kein duales Bildungssystem haben wie wir. Sie fragten mich, wie wir solche Ergebnisse zustande brächten. Es gingen auch schon diverse Anfragen für Vorträge ans Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in Bern ein. Im deutschsprachigen Raum gibt es einen Austausch unter den Experten. Wir diskutieren über die Wettbewerbsaufgaben oder üben gemeinsam das neue internationale Bewertungssystem.

Wo liegen die Schwächen der Schweizer?
Es gibt Wettbewerbsberufe, die wir als solche nicht kennen. Zum Beispiel Schweisser. Wir haben diese Berufslehre nicht. Entsprechend schwierig ist es, jemanden zu finden, der das kann. In diesem speziellen Fall trainierte eine Expertin den Polymechaniker, damit er die Anforderungen der Kategorie Schweisser erfüllen konnte.

Korea war schon immer gut. Die Toppositionen wechselten immer wieder zwischen der Schweiz und Korea. Doch jetzt kommt China hinzu. Letztes Jahr waren die Chinesen noch eine kleine Gruppe. Doch der Aufmarsch dieses Jahr hat mich überwältigt.

Was machen die Chinesen besser als wir?
Sie können aus Tausenden Leuten aussieben. Unsere Auswahlmöglichkeiten sind bei unserer Einwohnerzahl logischerweise viel kleiner. Zusätzlich trainieren sie spezifisch auf diesen Wettbewerb hin. Die Schweizer wollen auch gut sein, aber in China ist es eine absolute Prestigefrage. Die Chinesen wollen die Besten sein. Dafür setzten sie ganze Teams zusammen, die eine Person trainieren.

Was würden Sie anders machen als Vorbereitung für die nächste Berufsweltmeisterschaft?
Wir müssen die Experten noch mehr unterstützen, denn diese setzen ein grosses Stück ihrer Freizeit für den Wettbewerb ein. Zudem hatten wir dieses Jahr keine Romands oder Tessiner im Team. Ein weiteres Anliegen von mir wäre, dass an der nächsten Berufsweltmeisterschaft die ganze Schweiz vertreten ist – es hat auch gut ausgebildete Profis im Welschland und im Tessin, die dabei sein sollen.

(Dieser Beitrag erschien am 20.10.2017 im Tages-Anzeiger)

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